Zwangsarbeit

Zwangsarbeit

Die Deportierten mussten bei Siemens arbeiten.

© BPK, Berlin, Dist RMN-Grand Palais - BPK-Bild

Erscheinungsdatum: Februar 2012

Agrégée in Geschichte, Doktorandin an der Universität von Paris I.

Historischer Zusammenhang

Zwangsarbeit in den Lagern

In die Ideologie des Nationalsozialismus eingeschrieben, nimmt die Zwangsarbeit seit der Eröffnung der ersten Konzentrationslager einen zentralen Platz in seinem Projekt ein. Diese Politik erlebte jedoch im Frühjahr 1942 einen Wendepunkt mit der Integration der Lager in eine Wirtschaft des totalen Krieges: Von nun an müssen alle Arbeitskapazitäten der Internierten mobilisiert werden, um die nationalsozialistische Kriegsmaschine und diese gefangenen Arbeitskräfte zu versorgen. muss durch einen vom Regime sorgfältig geplanten Prozess rentabel werden.

Um einen weiteren Beitrag zu den Kriegsanstrengungen zu leisten, zeigen deutsche Unternehmen, die von der S.S. kontrolliert werden, Insassen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, wie sie zur Arbeit gehen.

Der Autor Rudolf Lipus zeichnete sich im Zweiten Weltkrieg durch die Bedeutung seiner künstlerischen Produktion für die Propagandadienste der Wehrmacht aus. Die Unterscheidung von Westdeutschland, das der Beschwichtigung gegenüber den Nazis beschuldigt wurde, trug somit dazu bei, die Bekehrung von Rudolf Lipus, dem bis 1945 sehr aktiven Illustrator der nationalsozialistischen Propaganda, zu beschleunigen.

Bildanalyse

Ausbeutung und Entmenschlichung

Die von den S.S. und ihren Hunden eng beaufsichtigte Kohorte von Deportierten betrat das Siemens-Werk. In engen Reihen marschieren sie, als wären sie von unsichtbaren Ketten gefesselt, mit gebeugtem Rücken und baumelnden Armen. Fast alle Gefangenen haben im Gegensatz zu ihren Wachen den Kopf gesenkt und den Blick auf den Boden gerichtet. Reduziert auf Silhouetten in derselben gestreiften Uniform, gibt es nichts, was sie voneinander unterscheidet. Die Zeichnung spiegelt somit die von den Nazis systematisch gewünschte Deindividualisierung und Entmenschlichung der Deportierten wider. Die hohen Gebäude und die Schornsteine ​​links vom Werkseingang versperren den Horizont, als ob sie zeigen würden, dass jede Hoffnung auf ein besseres Schicksal vergebens ist.

Interpretation

Von der Propaganda zur Denunziation

Rudolf Lipus, ein Akteur der NS-Propaganda während des Krieges, konvertierte nach Kriegsende und zögerte nicht, ein System anzuprangern, das er zuvor unterstützt hatte. Diese nüchterne und explizite Zeichnung für die Ausstellung von 1959 zeigt den Platz, den die Nazis und der deutsche Industriekomplex weiblichen Gefangenen in der Welt der Konzentrationslager einräumten: objektiviert, bis zum Tod ausgebeutet, waren sie nie nur Material.

Diese für das Denkmal konzipierte Arbeit sollte den Besuchern helfen, die Funktionsweise und Realität des Lagers Ravensbrück besser zu verstehen. Mit dieser denunzierenden Zeichnung eines unerbittlichen Systems hat der Autor möglicherweise auch versucht, seinen Beitrag zur NS-Propaganda zu verschleiern.

  • Konzentrationslager
  • Abschiebung
  • Krieg von 39-45

Literaturverzeichnis

AZEMA Jean-Pierre, BEDARIDA François (Regie), 1938-1948, Die Jahre der Qual. Von München nach Prag: Kritisches Wörterbuch, Paris, Flammarion, 1995. BEDARIDA François, GERVEREAU Laurent (Regie), Deportation. Das System Nazi-Konzentrationslager, Nanterre, BDIC, 1995. BILLIG Joseph, Die Konzentrationslager in der Wirtschaft des Hitlerreichs, Paris, PUF, 1973. STREBEL Bernhard, Ravensbrück. Im Konzentrationslager, Paris, Fayard, 2005.

Um diesen Artikel zu zitieren

Anaïs GUILPIN, "Zwangsarbeit"


Video: Gustav-Adolf Müller: Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene